Andreas Futter

„Tiefgang und Höhenflug“
Bronzeplastiken und Malerei

Es ist schon eine seltsame Schar , die da ihr kurios-eigensinniges Ur-Wesen treibt.
Im Zentrum dieser skurrilen Arbeiten stand ursprünglich ein kleiner dicker König, umgeben von einem großen höfischen Gefolge: Boten und Narren; antike Gottheiten und mythische Gestalten, kleine schnabelbewehrte Philosophen, Wolkenschieber und Stelzenläufer.

Darüber hinaus finden wir Gruppen von kleinen dicklichen Männern, die alle irgendwie bemüht sind, gegen die Schwerkraft kämpfend, ihr Gleichgewicht nicht zu verlieren, Hindernisse zu
überwinden, Anhöhen zu erklimmen und dergleichen mehr, in immer neuen Wandlungen. Unwillkürlich fühlt, man sich erinnert an das spätmittelalterliche Narrenschiff des Sebastian Brandt oder das zeitgleiche Lob der Torheit eines Erasmus von Rotterdam, die beide in Wort und Bild die gesammelten Narreteien ihrer Zeitgenossen schonungslos aufdeckten.

Bei Futter wird König gespielt, der Thron besetzt, sich auf den Sockel gestellt, und es wird geprotzt, sich in die Höhe aufgeschwungen mit den aberwitzigsten Konstruktionen, zwar völlig bewegungsuntüchtig, aber mit großen Rädern bestückt. Kopfbedeckungen aller Art und von unglaublichen Ausmaßen sind zu entdecken, Ornament und Prunksucht triumphieren, Funktionalität wird systematisch vermieden.
Ganz nebenbei gelingt es Andreas Futter auch noch die Naturgesetze auszuschalten:
Wolkenschiebereien sind an der Tagesordnung, er zeigt uns Seiltricks, die jeden indischen Magier erblassen lassen, überwindet die Schwerkraft durch Luftballons aus Bronze.
Mit feinem Augenzwinkern holt er uns an seine Seite, lässt uns teilhaben an seinem Blick auf das menschliche Treiben, hält der Welt den Spiegel vor.

Aufs Ganze betrachtet ist es ein eigenwilliger Ansatz, so am Bild des Menschen zu arbeiten. Futter stellt sich damit bewusst in eine lebendige Tradition , die sich der karikaturhaften Überzeichnung widmet. Von der Verulkung olympischer Gottheiten über römische Graffiti und spätmittelalterliche Flugblätter lässt sich der Bogen bis zu umstrittenen Mohammed-Karikaturen unserer Tage spannen.
Über der genießerischen Augenlust darf aber nicht vergessen werden, dass es sich bei jeder Figur um eine adäquate, bildhauerische Lösung handelt, umgesetzt in der komplexen Technik des Bronzegusses.

Fazit: Andreas Futter hat als Zeitgenosse Anteil an allen Freuden und Wirrnissen unserer Zeit:

Wie er diese Auseinandersetzung in seinen Arbeiten umsetzt, weit weg vom gängigen Marktgeschehen, mit einer gehörigen Portion ironischer Distanz, lässt uns mit Lust und Gewinn dabei sein.
Die Figuren seiner Bronzeplastiken verhalten sich widerborstig in unserer Zeit und zwingen uns zu einer Verlangsamung unseres Tempos, zu genauem Betrachten.
Und entziehen sich so dem oberflächlichen, raschen Zugriff.
CHC Geiselhart

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